Winfried Wolf (MdB / PDS)
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Titel: Die sieben Todsünden der Bahn - Rezension taz

Datum: 26.06.2002
Art: Artikel
Aus: taz, 26.6.2002


Die sieben Todsünden der Bahn

Die PDS kritisiert Bahn und rot-grüne Regierung mit jenen Argumenten, die einst die oppositionellen Grünen ins Feld führten. Gewarnt wird auch vor
privater Konkurrenz

BERLIN taz "Die sieben Todsünden des Herrn M." - so lautet die Anklageschrift des verkehrspolitischen Sprechers der PDS, Winfried Wolf. Ebendiese
stellte er gestern vor. Der gemeinte Herr ist Hartmut Mehdorn, seit zwei Jahren Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG (DB). Aber auch
Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) findet in der Schrift Eingang. Beiden wirft Wolf vor, "hartleibig darin fortzufahren, sieben Todsünden wider einen
gedeihlichen Schienenverkehr zu begehen".

Tenor der Anklage ist der siebenfache Verstoß gegen "die Gebote eines guten Bahnbetriebs, gegen ein effizientes Management und gegen einen kundennahen
Service". Wolf sieht die Grundlage seiner Kritik darin, dass es Mehdorn nicht um mehr Verkehr auf der Schiene oder einen optimalen Dienst am Kunden gehe,
sondern vielmehr darum, die Bahn bis 2004 oder 2005 börsenfähig zu machen. Dafür hätten DB-Kunden Feindseligkeiten hinzunehmen - man siehe
beispielsweise das neue Preissystem ab Oktober 2002 oder die Abschaffung der Bordrestaurants.

Die schwerwiegendste der Todsünden lautet für Wolf: "Du sollst nicht verdorren lassen die Äste vom Baume des Lebens." Gemeint ist der Abbau der
Interregio-Linien sowie der über SPD und die Grünen abgesegnete Beschluss, diese Zuggattung völlig aufzugeben. Dadurch würden ganze Regionen völlig vom
Hauptstrom der Schiene abgekappt. Im Verkehrsnetz seien aber "Verästelungen für den gesamten Organismus lebensnotwendig". Andere Todsünden heißen
etwa: "Unsinnige Umbauprojekte von Bahnhöfen zu Konsumtempeln" oder "Abbau von Servicepersonal".

Von der Bahnpolitik frustriert, findet die PDS: "Lieber Connex als gar nix." Mehr private Anbieter im Schienennetz bedeuten aber auch Probleme. Die würden
nämlich oft von bahnfremden Interessen dominiert. Connex zum Beispiel. Eigner ist der französische Mischkonzern Vivendi, der auf einem 30 Milliarden Euro
schweren Schuldenberg sitzt. Wolf vermutet, dass die Funktion der Connex-Bahngesellschaft nun zunehmend darin bestehen könnte, "staatliche Subventionen
abzugreifen, um den enormen Schuldendienst zu bedienen." KATHINKA LÜBBEHÜSEN

taz Nr. 6784 vom 26.6.2002, Seite 9, 75 TAZ-Bericht KATHINKA LÜBBEHÜSEN


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