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Stinnes & Bahn: Raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln
Datum: 04.07.2002
Typ des Textes: Presseerklärung
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Zum Kauf von Stinnes-Schenker durch die Bahn AG erklärt
der verkehrspolitische Sprecher der
PDS-Bundestagsfraktion Winfried Wolf:


Bahnchef Mehdorn feiert den Kauf der e.on AG-Tochter Stinnes
als eine "gute Nachricht für alle Bahnerinnen und Bahner".
Bei der Frage, was der Kauf konkret für den Schienenverkehr
bringe, heißt es im Brief an die "lieben Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter" bereits bescheidender, dass dies "große
Wachstumschancen AUCH für mehr Verkehr auf der Schiene"
eröffne. Nüchtern besehen fand das Folgende statt:

Die Bahn AG kauft für die gewaltige Summe von 2,5 Mrd. Euro
(nach erneutem Verkauf der "Randaktivitäten" noch knapp 2
Mrd. Euro) einen führenden Lkw-Spediteur, die Stinnes-Firma
Schenker.

Die Bahn tätigt dabei einen absurden Rückkauf. Bis 1991 war
Schenker Teil der Bundesbahn. Damals hieß es unter dem
Privatisierer und "Vater der Bahnreform", Heinz Dürr, das
Lkw-Speditionsgeschäft gehöre nicht zum "Kerngeschäft". Also
wurde Schenker für weit weniger verkauft, als jetzt neu
bezahlt werden muss. Der Bund war damals und ist heute
Eigner der Bahn.

Die Bahn kauft heute Schenker in einer Situation, in der Lkw
das Gütergeschäft fast völlig dominieren und die Schiene
Jahr um Jahr in erheblichem Umfang Marktanteile verliert.

Die Bahn und deren Töchter DB Cargo und DB Netz betreiben
selbst systematisch den Rückzug aus dem
Schienengüterverkehr. Allein in den letzten sieben Jahren
wurden die Gleisanschlüsse von Unternehmen in der
Bundesrepublik Deutschland halbiert. Dieser Tage schrieb das
Unternehmen "D & D - Eisenbahngesellschaft mbH" in einem
Brief an die Bundestagsabgeordneten: "Die DB Netz AG führt
derzeit in einem noch nie da gewesenen Ausmaß
Rationalisierungsmaßnahmen durch. Neben dem Abbruch und
Wegriss nahezu aller Nebengleise, Überholungs- und
Kreuzungsgleise, der dazu führt, dass ... zukünftiges
Verkehrswachstum auf der Schiene unmöglich gemacht wird,
betrifft dies insbesondere auch den radikalen Personalabbau,
der in weiten Bereichen Auswirkungen auf das Funktionieren
des Gesamtsystems Eisenbahn hat..." Es dränge sich der
Eindruck auf, so weiter dieses
Schienengüterverkehrsunternehmen, "dass Güterverkehr per
Bahn ... in Zukunft nicht mehr gewollt ist."

Bleibt die Personalie Bernd Malmström. Herr Malmström war
Stinnes- und Schenker-Vorstand. Er kam 2000 zur Bahn und
wurde dort Chef von DB Cargo. Unter Malmström wurde dort mit
dem Projekt "Mora C" eben diese Politik zur Zerstörung des
Güterverkehrs auf der Schiene betrieben - was real den
Lkw-Verkehr im allgemeinen und Schenker im besonderen
begünstigte. Und nun kommt Schenker wieder zur Bahn. In den
Worten des Hosenbandordens: "Honi soit qui mal y pense -
verrucht sei, wer dabei Böses denkt".

Könnte es sein, dass mit dem Stinnes-Kauf durch die Bahn
nicht mehr Güterverkehr auf die Schiene kommt, sondern dass
die Bahn sich zunehmend von einem Schienenunternehmen in
einen Mischkonzern verwandelt, der u.a. im Lkw-Sektor
wächst? Könnte es sein, dass mit dem
Stinnen-Schenker-Rückkauf die entsprechende
Lkw-"Bahn"-Sparte fett für den Börsengang gemacht wird -
wegen des Lkw-Geschäfts und wegen des Abbaus von
Güterverkehr auf der Schiene?


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