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Privatbahnen als Spekulationsobjekt?
Datum: 26.06.2002
Typ des Textes: Presseerklärung
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Zu Turbulenzen um den französischen Konzern Vivendi,
"Mutter" von Connex, erklärt der verkehrspolitische
Sprecher der PDS-Fraktion, Winfried Wolf:


Grundsätzlich vertritt die PDS die Position: Lieber Connex
als gar nix - lieber der private Betreiber Connex z.B. auf
der Bahnstrecke Berlin-Lichtenberg nach Rostock als ein
Zustand ohne Fernbahnverbindung, wie ihn die DB AG mit dem
Fahrplanwechsel Mitte 2001 herstellte. Dabei äußerten wir
jedoch immer zwei Bedenken:

Die Ausweitung des Bereichs privater Bahnen im Schienennetz
wird die Einheitlichkeit des System Schiene, einen
entscheidenden Systemvorteil, tendenziell zerstören.

Die privaten Bahnbetreiber haben oft bahnfremde Interessen
oder werden irgendwann von Unternehmen übernommen, die von
Fremdinteressen dominiert sind.

Letzteres droht nun dem wichtigsten privaten Bahnbetreiber
in der BRD, Connex.

Connex gehört zum französischen Mischkonzern Vivendi. Dieses
Unternehmen hat heute den Schwerpunkt im Mediensektor. Es
ähnelt in seiner aktuellen Krise und in der hochriskanten
Unternehmenspolitik der deutschen Kirch-Gruppe, sein
französischer Boss Messier dem Deutschen Kirch. Nach einer
extrem teuren Einkaufstour im Wert von 100 Mrd. € hat
Vivendi einen Schuldenberg von 30 Mrd. € aufgetürmt. Seit
geraumer Zeit hat die Muttergesellschaft Vivendi
International die Tochter Vivendi Environement als eigene,
an der Börse notierte Gesellschaft gebildet. Bei letzterer
sind u.a. die Wasseraktivitäten und die Bahngesellschaften
(z.B. Connex in Großbritannien und in der BRD) angegliedert.
Bei Vivendi Environement wurden jedoch so gut wie alle
Vivendi-Schulden geparkt.

Nun gab Messier bekannt, den Anteil der Mutter Vivendi
International an Vivendi Environement von 63 auf gut 40
Prozent zu reduzieren und damit den bei der
Muttergesellschaft über die Mehrheitsbeteiligung
auszuweisenden Schuldenstand radikal abbauen zu wollen. Auch
ein kompletter Ausstieg von Vivendi International (der
Muttergesellschaft) bei Vivendi Environement ist laut
Messier vorstellbar. Dann läge die Verantwortung für alle
Vivendi-Schulden allein bei der Wasser- und Bahntochter.

Unklar ist, wer bei Vivendi Environement künftig das Sagen
haben wird. Klar ist jedoch, dass dieses Unternehmen, und
damit Connex, enorm verschuldet - und im Grunde überschuldet
- ist. Dass diese Unternehmenssparte im operativen Geschäft
profitabel ist und dass die Schulden überwiegend anderen
Bereichen der Muttergesellschaft zuzuschreiben sind, sei am
Rande erwähnt.

Tatsache ist: Connex/Vivendi Environement gerät in unruhiges
Fahrwasser. Die finanziellen Spielräume z.B. zur Anschaffung
von modernen Zuggarnituren schrumpfen rapide. Die Funktion
der Connex-Bahngesellschaften könnte zunehmend darin
bestehen, staatliche Subventionen (Regionalisierungsgelder;
Landesmittel) "abzugreifen", um den enormen Schuldendienst
zu bedienen.


V.i.S.d.P. ist das erklärende Mitglied des Bundestages


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