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DaimlerChrysler: Die Mär vom "merger of equals"
Datum: 24.04.2002
Typ des Textes: Sonstiges
Aus: taz-Spezial über Fusionen
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DaimlerChrysler: Die Mär vom "merger of equals"

von Winfried Wolf

Auf der Daimler-Hauptversammlung im Mai 1998 behauptete ich als "Kritischer Aktionär", daß die "Fusion" Daimler-Chrysler in Wirklichkeit ein "takeover", eine Übernahme, sei. Schrempp widersprach und nannte den Deal einen "merger of equals", einen "Zusammenschluß von Gleichen". Auf der diesjährigen DaimlerChrysler-Hauptversammlung zitierte ich Jack Welch, den Boss von General Electric, mit: "Einen merger of equals kann es nicht geben. Jemand muß immer das Sagen haben." Tatsächlich ist das Chrysler-Management längst gegangen worden; die vorherrschenden Sprachen im Konzern sind schwäbisch, badisch und Schulenglisch.
Die weltweit mächtigsten Konzerne agieren zwar international, sind in ihren Eigentumstrukturen jedoch national. Von den 200 größten Konzernen der Welt zählen 186 zu einem G-7-Staat bzw. zur Schweiz oder Schweden. Von den 20 größten Banken der Welt sind 5 deutsch, 5 japanisch, drei französisch, je 2 US-amerikanisch und schweizerisch und je eine britisch, niederländisch und belgisch. Das "anonyme", "vagabundierende" Kapital gibt es nicht; die Adressen der Konzerne und Banken befinden sich fast alle in den Machtzitadellen des industrialisierten Nordens, oft hierzulande um die Ecke. "Transnationale" Fusionen sind, soweit sie auf Gleichberechtigung abzielten, bisher fast immer gescheitert (z.B. Hoesch-Hogoovens oder Renault-Volvo). Daß das so ist, hat wenig mit einer Vaterlandsliebe der Bosse, wohl aber damit zu tun, daß starke Konzerne und Banken sich gerne eines starken (und instrumentalisierbaren) Nationalstaats bedienen, um Kosten (z.B. für Ausbildung und Infrastruktur) zu vergesellschaften und die Expansion mit anderen Mitteln zu betreiben. Beispielsweise mit einem Krieg um Pipelines in Afhanistan oder um Öl im Irak.


Winfried Wolf ist MdB und Autor u.a. von Fusionsfieber. Das große Fressen (PapyRossa 2001) und Afghanistan, der Krieg und die neue Weltordnung (Konkret Literatur 2002).


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