28.11.2003 14:03
 
Themen
Termine
Bücher
 Zur Person
Links
Kontakt
Volltextsuche:

Differenzierte Suche
eMail-Abo
Abonnieren
Abbestellen

 
Umweltverbände untergraben ihre Glaubwürdigkeit
Datum: 06.07.2001
Typ des Textes: Artikel
Aus: junge Welt
mail Diesen Text per eMail verschicken ! | Druckversion | zurück

Der BUND und der VCD (Verkehrsclub Deutschland) »begrüßen das neue Preissystem der Deutschen Bahn.« Der Fahrgastverband Pro Bahn ließ verlautbaren: »Das neue System geht in die richtige Richtung«. Diese Unterstützung ist durch nichts gerechtfertigt. Bahnfahren wird teurer. Das wird nicht nur deutlich bei den vielen Vergleichen zwischen der alten BahnCard mit 50 Prozent Ermäßigung und der neuen mit 25 Prozent. Das trifft auch zu, wenn wir von den Zielen der Bahn selbst ausgehen. Diese rechnet intern im Personenverkehr mit steigenden Einnahmen. Gleichzeitig will sie ihr Angebot weiter reduzieren - u.a. durch den kompletten Abbau der InterRegios ab 2003 und die Reduktion der Zahl der Lokführer um bis zu 40 Prozent bis 2006. Hinzu kommen eingeplante Verteuerungen direkter und indirekter Art (mehr ICE). Nach Adam Riese steigt damit der Preis je zurückgelegten Bahnkilometer erheblich.

Daß das alte System schwer zu durchschauen war, ist ja richtig. Daß jedoch das neue System »transparent« sei, ist ein Witz. Warum bloß finden sich nun kolonnenlange Rechenbeispiele, die abwägen, was wann wo vielleicht billiger wird, wenn dies und das vorher bestellt - und erhältlich - sei?

Auch die »Familien- und Gruppenfreundlichkeit« des neuen Rabattsystem ist zu hinterfragen. Immerhin droht, daß der in der Bahngeschichte erfolgreichste Gruppenrabatt gestrichen wird: das »Schöne-Wochenende-Ticket«. Kein Wort wurde dazu bei der Vorstellung des neuen Rabatt- System geäußert. Warum bloß?

Die Umwelt- und Verkehrsverbände haben in den achtziger Jahren eine breite Kampagne für ein Halbpreisticket geführt. Als die BahnCard dann da war und dafür drei Millionen Stammkunden gewonnen wurden, wurde dies zu Recht gelobt. Kritisiert wurde, wenn andere Rabatte die einfache Logik der BahnCard zu untergraben drohten.

Die gleiche Logik gilt auch heute. Doch so wie Riester die Teilprivatisierung der Rente durchziehen konnte ohne massenhafte DGB-Proteste, weil SPD und Gewerkschaften verbunden sind, so gilt bei Umwelt- und Verkehrsthemen: Die entsprechenden Verbände sind auf unterschiedlichste Art materiell und personell bei rot-grün eingebunden. Das macht sie betriebsblind und schadet der Sache. Das schadet letzten Endes auch diesen Verbänden selbst, weil es ihre Glaubwürdigkeit untergräbt.

Winfried Wolf

(Der Autor ist Mitglied des Bundestages und verkehrspolitischer Sprecher der PDS)


zurück
 
Impressum