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Neues Bahnpreissystem ist rundum abzulehnen (II)
Datum: 06.07.2001
Typ des Textes: Presseerklärung
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Ergänzend zu der am 3. Juli veröffentlichten Presseerklärung und zum vorliegenden Thesenpapier erklärt der verkehrspolitische Sprecher der PDS-Fraktion, Winfried Wolf.




Je mehr Details zum neuen Bahnpreis-System bekannt werden, desto deutlicher wird: Diese "Reform" muss massenhaft Fahrgäste aus der Bahn vertreiben. Drei Beispiele zur
Konkretisierung:


1. Typische Bahn-Fernfahrt mit BahnCard 50% / 25%

Eine Hin- und Rückfahrt Berlin-Köln-Berlin in der 2. Klasse und mit BahnCard (50%) kostet heute 200 DM, inklusive Reservierung. Mit BahnCard 25% wird sie rund 240 DM kosten oder 20 Prozent mehr. Die Einsparung bei dem einmaligen Kauf der BahnCard liegt bei 153 DM (statt 270 DM "nur" 117 DM).
Damit ist bei rund drei Fahrten pro Jahr die Verbilligung der BahnCard verbraucht - der Bahnfahrende stellt sich in jedem Fall teurer. BahnCard-Besitzer waren bisher Stammkunden. Und die legen erheblich mehr als drei Fahrten pro Jahr zurück. Sie werden sich damit im "Normalfall" teurer stellen - oder den BahnCard-Kauf bleiben lassen und
nicht mehr Stammkunden der Bahn sein. Die vielfachen
Verweise auf das Frühbuchungs-System und die damit
verbundenen Rabatte überzeugen nicht. Zwar würde eine Karte Berlin-Köln und zurück bei einer Buchung 7 Tage im Voraus nur 141 DM kosten (bei 3 Tagen im Voraus 177.-DM). Doch das sind Milchmädchenrechnungen:

Erstens weiß der Kunde nicht, ob er im Frühbuchungssystem
Glück hat (nur eine begrenzte Zahl der Plätze sind reserviert),

Zweitens können viele Reisende im Fernverkehr der Bahn eventuell noch den Termin der Hinfahrt, nicht aber den exakten Zeitpunkt der Rückfahrt vorher bestimmen.

Drittens ist das Risiko bei Nichtantritt der Fahrt enorm,
weil Rückerstattung und Umbuchungen mit erheblichen
zusätzlichen Kosten verbunden sind. Vor allem aber gilt:
Eine solche Buchungsweise wird einem Massenverkehrsmittel
und dessen Stammkunden nicht gerecht. Nur ein Bruchteil wird eine "weitsichtige" Buchung bei derart vielen Risiken vornehmen.

2. Pendler mit BahnCard


Es gibt hunderttausende Bahnkunden, die bestimmte Strecken im Jahr oft fahren und dafür die BahnCard nutzen, weil eine Streckenmonatskarte sich nicht rechnet. Beispiel Bad Endorf bei Rosenheim nach München. Normale Fahrtkosten hin und zurück 40,40 DM, mit BahnCard (50%) = 20,20 DM. Bei wöchentlich zwei Fahrten sind das monatlich 161,60 DM. Bei BahnCard 25% kostet diese "Gelegenheits-Pendelei" 30,30 DM je Fahrt, rund 242 DM im Monat oder jährlich knapp 1.000 DM mehr. Hier gibt es keinerlei "Ausweg-Rabatt", da diese erst ab 170 km Entfernung zählen.

3. Familienfreundliche Sonderrabatte ­ ohne das
Schöne-Wochenend-Ticket ???

Der Bahnvorstand verweist auf eine Reihe familienfreundlicher Sonderrabatte. Doch was ist mit dem "Schöne-Wochenende-Ticket"? Die Bahn hat in den vergangenen Monaten mehrfach angedeutet, diesen Rabatt zu streichen. Er findet sich auch bei der Auflistung des neuen Bahnpreissystems nirgendwo. Dagegen meldet die "Berliner Zeitung" erneut, dass seine Streichung vorgesehen sei, weil die Bahn nicht mehr "übervolle Züge" haben wolle. Dementiert
der Bahnvorstand nicht umgehend diese Streichungsabsicht,
dann gilt: Die Bahn wird nicht nur allgemein erheblich
teurer. Sie wird auch familienfeindlich, indem sie den beliebtesten und erfolgreichsten Familien- und Gruppenrabatt in Frage stellt.

Bitte beachten: Das allgemeine Positionspapier der PDS (vom 4.7.2001) zum neuen Bahntarifsystem und ein Kommentar zum
Thema sind im Büro des MdB Winfried Wolf direkt abrufbar.


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