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Kein Berlin-Großflughafen — auch nicht in Stendal
Datum: 07.06.2001
Typ des Textes: Presseerklärung
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Zur Erklärung des sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten Höppner über einen möglichen Großflughafen Stendal erklärt der verkehrspolitische Sprecher der PDS im Bundestag, Winfried Wolf:
Der Vorschlag Höppners und der Firma Roland Berger, anstelle des Flughafenausbaus in Schönefeld einen Großflughafen in Stendal zu errichten, hat fünf entscheidende Schwachstellen:

* Er basiert auf der Annahme, der Flugverkehr nach und von Berlin würde sich von 13 auf 25 Millionen Fluggäste verdoppeln. Das sind ähnlich absurde Wachstumszahlen, wie sie für den Transrapid-Verkehr zwischen Hamburg und Berlin »hochgerechnet« wurden.

* Die unterstellten Baukosten sind mit 8 Milliarden Mark weit zu niedrig angesetzt. Vergleichbare, für die Steuerzahler sündhaft teure Fehlkalkulationen gab es bereits bei der Planung des Großflughafens Berlin-Brandenburg. Unter anderem ist der erforderliche ICE-Anschluss nicht ausreichend einkalkuliert.

* Höppner und Berger sagen zu Recht, ein solcher Großflughafen rechne sich nur, wenn ein ICE-Bahnhof am Flughafen gebaut würde. Das würde erfordern, dass alle ICE (jede Stunde) dort stoppen und möglicherweise zusätzliche Pendelzüge eingesetzt werden. Damit würde die ICE-Verbindung Hannover - Berlin erneut erheblich verlangsamt und die vorausgegangene Gesamtinvestition (die ohnehin wegen dem Abhängen Magdeburgs und der »Interzonen«-Durchfahrt durch die neuen Länder problematisch ist) teilweise in Frage gestellt.

* Nicht nur ein Großflughafen Stendal befände sich »in der Pampa": Auch die Berliner ICE-Haltepunkte Spandau und (neuer) Lehrter Bahnhof wären so gelegen, dass ein erneutes Umsteigen auf S-Bahn, U-Bahn oder teure Taxifahrten erforderlich wäre. Die 35 Minuten ICE-Entfernung zwischen Stendal und Berlin würden also erheblich verlängert, durch Wartezeiten auf den ICE in Stendal und weitere Fahrtzeiten ab Berlin-Spandau oder Berlin Lehrter Bahnhof. Eine durchschnittliche An- und Abfahrtzeit mit mehr als einer Stunde wäre damit garantiert.

* Damit wäre aber klar, dass nicht alle drei bisherigen Berliner Flughäfen zugunsten von Stendal geschlossen werden würden. Einstündige Binnenflüge München - Berlin mit Anfahrtszeiten von rund 2 Stunden (München — FJS-Airport und Stendal — Berlin) sind offensichtlich Unfug. Bleibt es allerdings bei der Existenz von auch nur einem internationalen Flughafen im Berliner Raum, dann würden die Flugpassagiere verteilt und die Rentabilität eines Flughafens in Stendal wäre erst recht in Frage gestellt.

Darüber hinaus geht Ministerpräsident Höppner von einer politisch fragwürdigen Unterstellung aus: Weil es in der Region Stendal 20 Prozent Erwerbslosigkeit gebe, wäre der Widerstand gegen das Projekt gering; ein durchgehender Nachtflugverkehr würde so eher hingenommen. Das ist schlichte Erpressung: Weniger Umweltschutz, weniger Lärmschutz, weil es so "erfreulich" hohe Arbeitslosenzahlen gibt.

Eine völlig andere Rechnung macht verkehrspolitisch Sinn: Von zur Zeit 13 Millionen Flugreisenden, die pro Jahr auf den Berliner Flughäfen abgefertigt werden, können gut und gern 40 Prozent auf die Schiene verlagert werden. Mehr als 50 Prozent des aktuellen Berliner Flugverkehrsaufkommen entfallen auf innerdeutsche Flüge bzw. auf inländische Anschlussflüge.

Eine solche alternative Verkehrspolitik erfordert den systematischen Ausbau des Schienennetzes und die Optimierung der Angebote im Schienenfernverkehr. Damit könnten auch zwei der Berliner Flughäfen geschlossen werden, der Airport Schönefeld wäre lediglich zu optimieren.


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