03.11.2003 09:03
 
Themen
Termine
Bücher
 Zur Person
Links
Kontakt
Volltextsuche:

Differenzierte Suche
eMail-Abo
Abonnieren
Abbestellen

 
5 Thesen zur DaimlerChrysler-krise
Datum: 11.03.2001
Typ des Textes: Sonstiges
Aus:
mail Diesen Text per eMail verschicken ! | Druckversion | zurück

1. DaimlerChrysler ist der größte und mächtigste deutsche Konzern und zählt zu den fünf größten Unternehmen der Welt. Das Unternehmen unter formeller Führung von Schrempp und faktischer Führung der Deutschen Bank hat sich 1998 in die Position mit der Übernahme von Chrysler katapultiert.

2. Mit der Fusion Daimler-Chrysler wurde, so die offizielle Version, u.a. auf der Hauptversammlung 1998, ein transnationaler Weltkonzern gegründet, der zumindest deutsch-US-amerikanisch, wenn nicht „international“, in keinem Fall jedoch primär deutsch bestimmt sei. Entgegengesetzte Positionen wurden damals u.a. von mir in einer „wsw-Sonderausgabe“ zur HV bezogen. Die Entwicklung von DaimlerChrysler seit 1998 zeigt, wie falsch die These vom „transnationalen Kapital“ war.

3. Der Gewinneinbruch bei Chrysler seit dem IV. Quartal 2000 rechtfertigt das harsche Vorgehen des Daimler-Managements in Auburn, USA, nicht (Zetsche als neuer Chef; 25.000 Chrysler-Jobs werden zerstört). Es ist Teil des „nationalen“ Handelns des Daimler-Managements. Ähnliches trifft auf das Vorgehen bei der anderen Daimler-Neuerwerbung Mitsubishi zu (minus 9500 Jobs). Insgesamt allerdings fahren Schrempp und der Großaktionär Deutsche Bank mit diesen Erwerbungen (und dem zusätzlichen Einstieg bei Hyundai) einen extrem aggressiven und riskanten Kurs.

4. Dies gilt vor allem, wenn wir als Hintergrund die beginnende neue Krise im weltweiten Fahrzeugbau sehen. Gut 25 Prozent der weltweiten Pkw-Fertigungskapazitäten sind bereits jetzt nicht ausgelastet, also Überkapazitäten. Weltweit geht die Massennachfrage rapide zurück. Gleichzeitig erleben wir das Wetterleuchten einer neuen weltweiten Rezession. Seit 1974/75 begannen alle weltweiten Rezessionen (danach: 1980/82 und 1990-92) mit einer Krise des Fahrzeugbaus.

5. In diesem Rahmen kann sich die Krise bei Chrysler zu einer Krise des Gesamtkonzerns auswachsen, mit erheblichen Auswirkungen auf die Standorte Stuttgart und Mannheim. Wobei in einem solchen Fall die „übrige“ Autoindustrie noch mehr betroffen sein dürfte: Porsche und BMW wegen ihrer extremen Exportabhängigkeit vom Nafta-Markt; VW-Audi, Opel und Ford als Hersteller von Massen-Pkw, die in jeder allgemeinen Krise stärker getroffen werden als Hersteller von Luxuswagen und als DaimlerChrysler mit besonderen Absicherungen vermittelt über Rüstung und Luftfahrt (EADS; Airbus).

Winfried Wolf (PDS-MdB)



PS: Winfried Wolf wird für die kommende DaimlerChysler-Hauptversammlung im April Anträge gegen eine Entlastung des Vorstands und Aufsichtsrats stellen, diese vor allem mit der arbeitnehmerfeindlichen Politik (gegenüber der Chrysler-Belegschaft) begründen und voraussichtlich auf der HV als „kritischer Aktionär“ sprechen.


zurück
 
Impressum